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Sonntag Morgen – Weckerklingeln. Zwei Dinge, die in meinem Ohren eindeutig nicht zusammen gehören sollten. Aber heute kann mich selbst das nervtötende Gedudel nicht aus der Ruhe bringen. Denn heute geht es endlich nochmal zu einem Gruppenlauf mit Trampelpfadlauf über die Trails der wunderschönen Nordeifel.

Umso länger uns die C… Krankheit begleitet, desto stärker spürt man, wie sehr einem die sozialen Kontakte fehlen. Zwar sieht man mittlerweile immer öfter mal Kollegen oder Freunde, aber trotzdem fehlt im Alltag nach wie vor die menschliche Nähe, lustige Randbemerkungen oder das gemeinsame Lachen zwischendurch. Manchmal scheint es so, als würde zwischen uns nicht nur 1.5m Abstand und ein Mundschutz liegen, sondern eine unsichtbare Grenze bestehen, die uns mehr und mehr auseinander spaltet.

Umso wertvoller ist es deshalb, ab und zu mal andere liebe Laufverrückte zu treffen und gemeinsam auf Tour zu gehen. Trampelpfadlauf bietet regelmäßig Gruppenläufe oder Events an, bei denen man nicht nur tolle neue Strecken, sondern auch nette Menschen kennenlernt.

Lang oder kurz, kurz oder lang

– das ist hier die Frage.

So stehe ich zitternd und bibbernd mit 10 anderen fröhlichen, vermummten Gesichtern am Wanderparkplatz im Belgenbachtal – und das diesmal sogar pünktlich. Während es im Sommer immer leicht ist, sich für die dünnste Laufkleidung zu erwärmen, die der Kleiderschrank hergibt, wird das mit dem Beginn der kurzen Tage zunehmend komplizierter. Kann man noch in kurz-kurz laufen oder muss man, um dem sicheren Erfrierungstod zu entkommen, schon zum langen Oberteil greifen? Ein Grund mehr schnell loszulaufen.

Und so machen wir uns gemeinsam auf den Weg zum Glück. Oder anders gesagt: Auf, zu den wunderschönen Trampelpfaden dieser Welt.

Wie an einer Perlenkette aufgereiht, laufen wir die ersten Kilometer mal hintereinander, mal nebeneinander her. Uns erwarten heute ca. 27 km mit 880 Höhenmetern durch das abwechslungsreiche Belgenbachtal bei Monschau. Während die Beine noch frisch sind und ich gefühlt wie ein junges Reh über Wurzeln und Steine springe, steht der Mund selten mal still. Das übliche erste Beschnuppern zu Beginn eines Laufes lässt grüßen. Gemeinsam laufen wir über schmale Wege und kleine Brückchen tiefer in den Wald hinein.

Der erste kleine Anstieg lässt nicht lange auf sich warten. Im Laufschritt geht es hintereinander den kleinen Hügel nach oben. Ich merke wie meine Atmung immer tiefer und schneller wird – das letzte Mal bin ich gefühlt vor Wochen einen Berg hoch gelaufen. Nach ein paar Metern oben angekommen, stehen mir bereits die Schweißtropfen auf der Stirn und die erste Ladung Kleidung wird in der Weste verstaut. Das kann ja noch was werden!

Downhill. Gemeinsam fliegen wir (die einen schnell, die anderen etwas weniger schnell) den Hügel hinunter. Der Fahrtwind weht mir die Haare aus der Stirn und ein Strahlen breitet sich in meinem Gesicht aus. Was ein Spaß! Immer darauf bedacht, nicht auf dem von losen Steinen und Ästen bedeckten Weg auszurutschen, bremse ich mich mehr, als es vielleicht nötig wäre.

Ich jauchze wie ein Kind beim Schlittenfahren, während ich gefühlt mit schier unmenschlicher Geschwindigkeit den Berg hinuntersause.

Die Strecke führt uns weiter durch den immer dichter werdenden Wald. Ich genieße es, über die schmalen Wege zu tippeln und über Wurzeln zu springen. Der Boden ist von bunten Herbstblättern übersäht und der Regen der letzten Tage hat den Wald ordentlich geflutet. So sehen meine Füße bald aus wie gematscht und geblättert.

Immer wieder kreuzen kleinere Bäche unseren Weg, über die ich mal mehr, mal weniger leichtfüßig sehr zur Freude der anderen balanciere.

Die Kilometer fliegen nur so daher. Die Gruppe durchmischt sich jedes Mal an geplanten und ungeplanten Kreuzungen neu, so dass selbst ich mal ganz vorne mit dabei bin. Allen voran kämpfe ich mich durchs Unterholz des Waldes. Habe ich erwähnt, dass ich froh bin, mich für lang-lang entschieden zu haben?

Nach einigen netten Treffen mit Frau Brennnessel und Frau Brombeerstachel haben Osteoporose und Wechseljahrsbeschwerden jedenfalls keine Chance mehr bei mir.

Auf einer wunderschönen Lichtung verschnaufen wir kurz. Die Hälfte der Strecke ist geschafft und man merkt mehr und mehr, wie unser Grüppchen enger zusammenwächst. Die „Snackgruppe“ ist am Start, denn Laufen und Snacks gehören ja schließlich immer irgendwie zusammen.

Bergab – bergauf. In Schlangenlinien führt uns der Weg weiter durch den verzauberten Herbstwald, der durch die glitzernde Herbstsonne der lichten Baumkronen beschienen wird. Ich lache und strahle. Erfreue mich an der ausgelassenen Stimmung und den vielen netten Bekanntschaften. Laufen verbindet und hält wie Pattex. Obwohl die Kilometer nur so daherfliegen, merke ich bald die schwere in den Beinen, die den weichen Waldboden und die kleinen Anstiege kaum mehr gewohnt sind. Nur noch 10 Kilometer…

Ciao – Kakao, liebe Bimmelbahn

Obwohl ich alles aus meinen Beinen heraushole, erwische ich die kleine Bimmelbahn nicht mehr, die wir im Städtchen aus dem Augenwinkel heraus entdeckt haben. Schade Marmelade, das wäre auch zu schön gewesen. Nach einem kurzen Blick auf Monschau, schnaufen wir uns wie eine Dampflok das Bergelchen hinauf. Zum Glück geht es tendenziell mehr bergab, als bergauf, sagt zumindest unser Guide Holger. Gut zu wissen – Denn wenn ich davon schon nichts mitkriege, kann ich mir das wenigstens immer wieder einreden.

Der letzte kleine Downhill erwartet uns. Gespannt darauf, was meine Trailschuhe so hergeben, taste ich mich über wunderbar glitschige Schiefer- und Felssteine den Pfad herab. „Das kann ja nur schief gehen!“, spricht der kleine Körperclown in meinem Kopf. Schritt für Schritt – Meter für Meter. So rutsche ich mich den Berg hinab, immer darauf gefasst, jeden Moment den harten Steinboden unter meinem Hosenboden zu spüren. Überraschenderweise komme ich aber unbeschadet und ohne Unfälle unten an – Test bestanden würde ich sagen.

Kurve hier, Kurve da. Das Ziel ist nah.

Die letzten Meter liegen vor uns. Nur noch ein paar wenige Schritte (die sich schwer nach bergauf anfühlen), trennen uns von unserem Startpunkt. Zusammen laufen wir weiter. Obwohl wir mittlerweile gute drei Stunden unterwegs sind, wird noch immer fröhlich erzählt und gelacht. Noch eine Kurve und ganz plötzlich stehen wir mit einem Mal wieder an unserem Ausgangspunkt. Gefühlt ging die Tour heute viel zu schnell vorbei, auch wenn meine Beine da anderer Meinung sind. Bei warmen Tee und Keksen lassen wir die Runde ausklingen und erfreuen uns an den vielen tollen Eindrücken, die wir an dem Tag gewonnen haben.

Danke für den schönen Tag – Der Herbst kann bitte genauso weitergehen.

Fotos: Holger Lapp von www.trampelpfadlauf.de

Tour und Organisation: www.trampelpfadlauf.de

*Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung und persönliche Empfehlungen

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Gruppenfeeling in einsamen Zeiten – eine Trampelpfadtour durch das Belgenbachtal

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