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So einfach die Frage auch klingt, so schwer ist es oft eine geeignete Antwort zu finden. Oder anders gesagt:

Kaum bei einem anderen Thema kann man sich so die Zunge verbrennen wie beim Essen.

Ketogen, vegetarisch, vegan, Low Carb, High Carb, Paleo, glutenfrei, laktosefrei, nach Punkten oder trackst du vielleicht Mikro- und Makronährstoffe?

Mittlerweile hat unsere Ernährung nicht nur den Zweck uns Energie zu spenden, sondern sie ist vielmehr eine Art Lifestyle oder sogar Sinnbild für unsere ethischen Prinzipien geworden.

Im Kühlschrank ist noch Salat – Super, dann bin ich mal draußen, um was essbares anzulocken.

Von klein auf gehöre ich zur Gattung „Guter Esser“. Ob das was ich esse wirklich gut ist, weiß ich nicht – Zumindest ging immer gut was in mich rein. Da ich ein anverwandtschaftetes Bauernkind bin, habe ich von klein auf das gegessen, was auf dem Feld wuchs, im Stall stand oder, um die Populationskurve zu halten, im Wald erlegt wurde. Süßigkeiten wurden eher selten gekauft, dafür wurde umso mehr gebacken. Vielleicht ein Grund mehr, warum Kuchen und ich auch heute noch Best-buddies sind.

Ich habe immer viel Sport gemacht, war immer muskulös-schlank – Und doch kommt die Zeit, in der man beginnt, das Spiegelbild kritischer zu betrachten und der Waage einen Vogel zu zeigen:

Zunahmi – Warnung

Zeit, DIE Wunderwaffe schlecht hin zu finden, den Frauenzeitschriften eine Chance zu geben oder einfach der Ernährungsform zu folgen, die alle Spitzensportler im gewählten Sportbereich ausüben: Zeit, die Ernährung umzustellen.

Oft rutscht man schneller in eine Ernährungsform rein, als man Grießpudding auslöffeln kann.

So legt ein Ultraläufer, der viel in der Natur unterwegs ist, viel Wert auf den Erhalt der natürlichen Gegebenheiten und versucht dabei möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu essen. Der Leistungssportler setzt hingegen mehr auf eine kohlehydratreiche Ernährung, während Kraftsportler Kalorien tracken, um zu wissen, in welchem Defizit oder Überschuss sie sich befinden und ob der Eiweißbedarf von 2-2,5g pro kg Körpergewicht gedeckt ist.

Und während man mittlerweile ein eigener kleiner Experte auf seinem Gebiet wird, fragt man sich insgeheim des Öfteren:

„Ist fremd gehen eigentlich auch, wenn mein Salat erfährt, dass ich während des Essens an Kuchen denke?“

In alten Kraftsporttagen hat sich auch meine Ernährung angepasst, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dabei verzichtete ich komplett auf raffinierten Zucker, achtete auf einen hohen Eiweißanteil und habe einen ganzen Haufen Rezepte ausprobiert, die möglichst ohne Mehl oder Zucker auskamen (was manchmal mehr, manchmal weniger gut geklappt bzw. geschmeckt hat). Und obwohl ich nie groß gehungert habe, hatte ich auch ohne Lebensmittelwaage eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie viele Kalorien ein Nahrungsmittel ungefähr beinhaltet.

Je mehr ich gelaufen bin, desto weiter entfernte ich mich davon und aß genau das, wonach mein Körper verlangt hat. Und finde die Vorstellung im Nachhinein ziemlich erschreckend, dass ich mal die Inhaltsstoffe eines Apfels herunterbeten konnte). Trotzdem ist es eine Erfahrung, die ich gemacht habe und eine Ernährungsform, die für mich damals gut funktioniert hat.

„Verlangen deine Eltern von dir, dass du vor dem Essen betest?“ erkundigt sich der Pfarrer.

„Nein, meine Mutter kocht eigentlich ganz gut“

Ich bin froh darüber, genau das Essen zu können, was mir schmeckt. Ich esse wenn ich Hunger habe, gönne mir täglich eine Süßigkeit, die beliebig groß sein kann und esse abends meistens weniger, damit ich morgens einen Grund habe aufzustehen: Frühstück lässt grüßen.

Doch gerade in der Sportwelt, ist Ernährung nach wie vor ein heikles Thema. Wenn ich mit Ultraläufern unterwegs bin, schäme ich mich schon fast dafür, manchmal Fleisch zu essen, da die ethischen Gründe nicht von der Hand zu weisen sind. Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto bewusster ernähre ich mich rein pflanzlich.

Letztendlich – und darauf will ich hier eigentlich nur hinaus – ist jeder von uns ein Experte: Wir essen von klein auf, haben Dinge ausprobiert und kennengelernt, wissen was uns schmeckt, was uns gut tut, auf was wir allergisch sind – was in meinem Fall verrückterweise Honig ist. Und über das Thema zu debattieren ist letzten Endes genau so unsinnig, wie in einer Dilemma-Situation nach der einen korrekten Lösung zu suchen.

Für mich habe ich herausgefunden: Ich verzichte auf alles was dick macht – Waage, Spiegel, Fotos.

Okay, ich geb’s ja zu …auf Fotos nicht… Aber ein Ganzkörperspiegel ist tatsächlich nur noch in meinem Sportzimmer zu finden. Ich esse um zu Leben, um zu genießen, um mich Wohl zu fühlen. Und denke mir still und heimlich:

Wenn Fett ein Geschmacksträger ist, dann bin ich eben ein echter Leckerbissen.

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Und, wie ernährst du dich eigentlich so? – ein Thema heiß wie Frittenfett

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12 Gedanken zu „Und, wie ernährst du dich eigentlich so? – ein Thema heiß wie Frittenfett

  1. Den Worten schließe ich mich Mal direkt an. Und danke für deinen Einblick und auch Rückblick. Essen ist lecker und wenn man einfach ein bisschen auf die Zutaten und die Herkunft achtet ist schon sehr viel gewonnen. Ich selber zähle Kalorien weil ich es leider zzt. muss. Du weißt ja warum. Aber ich merke immer mehr das man sich an vieles Gewöhnen kann und Routine entsteht. Also eigentlich nur noch Kalorien Kontrolle.

    Mach weiter so 👍

    LG Marco

    P.S.: Wurst krümelt nicht 🤣

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, Marco 😀🤗. Es gibt immer bestimmte Lebensphasen und Erkrankungen, die einem bestimmte Sachen verbieten und dann gewöhnt man sich oft schneller daran, als man gucken kann.

  2. Liebe Sara,
    es ist kein Fremdgehen, wenn man beim Salat essen an Kuchen denkt 😉
    Ich schaue jetzt auch wieder mehr auf meine Ernährung, weil ich es die letzten zwei Monaten weniger getan habe… ich bin mal gespannt wie es bei mir läuft. Und währenddessen lese ich weiterhin deine sehr interessanten Blockeinträge 😊

    1. Danke für deine Kommentar und die liebe Rückmeldung, Lisa 😀. Ich freue mich sehr darüber. Dann kann ich ja getrost weiter von wilden Kuchenabenteuern träumen 🤭 und drücke dir für dein Ernährungsprojekt feste die Daumen!

  3. Danke dir deine offene Art des Umgangs mit Essen! Es wird soviel darüber gestritten, was richtig und falsch ist. Dabei gibt’s nicht nur schwarz und weiß, sondern ganz viele Farben und jeder findet für sich, oder muss für sich seinen eigenen Weg finden sich wohl zu fühlen.
    Gelungener Umgang mit den Worten und vergleichen, ein Genuss es zu lesen 😊!

  4. Hi, hier nun mein Gegenbesuch bei dir.

    Ernährung, ein Thema, mit dem ich mich kaum noch beschäftige. Ich stamme ursprünglich aus Rheinland-Pfalz, wo ich früher alles gegessen habe, ohne mir irgendwelche Gedanken zu machen. Je mehr und je länger ich allerdings gelaufen bin, umso mehr stellte ich fest, was gut und was nicht gut für MICH ist. Bin zu der Überzeugung gelangt, dass der Körper dir sagt, was er wann gerade möchte, und dann schlage ich zu, er ist zufrieden, ich bin es auch.

    Im Laufe der Jahre habe ich mir alles abgewöhnt, was vermeintlich ungesund ist, esse viel Obst, viel Gemüse, keine leeren Kohlenhydrate, wenig Fleisch, viel Fisch und habe mittlerweile überhaupt keine Lust mehr auf das, was ich früher in mich hinein gestopft habe. Ein gutes Stück dunkle Schokolade gönne ich mir fast jeden Tag. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, dass vermeintlich Gesundes nicht schmecken würde, es gibt so viele Möglichkeiten, sich mit Schmackhaftem gesund zu ernähren, ohne das Gefühl zu haben, irgendetwas zu verpassen.

    Der Körper dankt es mir, ich bin rundum zufrieden…………ein Lernprozess, zu dem mich das Laufen letztendlich geführt hat.

    1. Und genau das ist der Punkt, um den es mir geht 😀. Jeder hat für sich Erfahrungen gemacht und es gibt in diesem Sinne kein richtig oder falsch. Es ist toll und wertvoll, wenn du für dich deinen Weg gefunden hast. Und nur das zählt 😀

      Dankeschön für deine Gedanken zu dem Thema. Liebe Grüße, Sara

  5. Ich geh das Thema ziemlich entspannt an. Mein Motto: „Ich esse um zu laufen bzw. laufe ich um zu essen“. Mit gerade mal 60 Kilo bei ca. 1,80 Größe muss ich eher schauen dass ich genug und nicht zu wenig esse! 🙂
    #happyme

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