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Wenn es um Sport geht, gibt es kaum eine Sportart, mit der man mich nicht begeistern kann. Sobald ich mich bewege, fühle ich mich frei und glücklich. Kann ausgelassen lachen und befinde mich nur im hier und jetzt. Doch trotzdem gibt es Sportarten, die tiefer gehen. Mit denen man sich mehr beschäftigen möchte, als sie einfach nur mal auszuprobieren. Nachdem ich meine erste große Liebe (das Balletttanzen) nach zwölf Jahren mit süßen 19 Jahren an den Nagel gehangen habe und auch meine zweite große Liebe (Taekwondo) nach circa dreizehn Jahren in die Brüche gegangen ist, hatte ich die eine oder andere kurze Liason mit Standard-Tanz, Yoga und Krafttraining. Doch so sehr ich mich in die Sportarten hineinzudenken gedachte, so wenig konnten sie sich wirklich einen festen Platz in meinem Herzen ergaunern. Der Wendepunkt kam, als mich meine Schwägerin zu einem 10 Kilometer Lauf anmeldete – dem Nightkustrun in Zeeland (Holland). Seit Jahren schauten wir uns die mit Lichterketten behangenen Läufer an, die die Dünen herauf und herunterflitzten, durch den Sand staksten oder locker leicht die Treppenstufen nach oben hüpften. Und egal wie müde sie aussahen, sie wirkten trotzdem alle auf ihre Art glücklich.

Es war ein Abend im Januar 2017. Aus alten Sport-Leistungskurszeiten wusste ich, dass ich damals 15 km am Stück laufen konnte. Aber wir verhielt sich das ganze nun einige Jahre später? Nach Jahren ohne Ausdauer- oder Schnellkraftsport und ohne jegliche Ambitionen, es doch noch zu was in der Sportwelt zu bringen? Um das herauszufinden gab es nur eine Möglichkeit: Kurzerhand zog ich mir meine Turnschuhe an und lief los. Ohne Uhr, ohne eine Idee wie schnell ich war oder wie weit ich lief. Und während ich die ersten Schritte lief, musste ich unwillkürlich lächeln. Ich konnte nicht glauben, dass ich wirklich einfach abends draußen laufe. Als wäre es das normalste auf der Welt. Und obwohl die Bewegungen so vertraut waren, fühlte es sich fremd an durch die Straßen zu laufen. Was wenn mich jemand sieht, wie ich hier um die Häuser schleiche? Es ging durch die Fußgängerzone unseres Städtchens und den Bach entlang.

Nach ca. 1,5 Kilometern kommt ein kleiner Anstieg, der durch eine Gasse führt und am anderen Ende des Ortes auskommt. An meiner Wendestelle. Nachdem ich die Runde im Nachhinein unzählige Male gelaufen bin, weiß ich, dass die Strecke genau 4,2 km lang ist. Und im Nachhinein weiß ich auch mit ziemlicher Gewissheit, dass ich viel zu schnell losgelaufen bin und ich mich die letzten 2,5 km ganz schön gequält habe.

Mit der Frage im Kopf, warum zum Teufel andere Menschen sowas freiwillig machen und der bitteren Erkenntnis, dass Laufen absolut nicht mein Fall ist, zog ich meine Schuhe für den Abend aus. Nur um sie 3 Tage später erneut zu schnüren, da das nicht alles gewesen sein konnte. So ging ich ab diesem Tag jede Woche einmal, vielleicht auch zweimal laufen und machte wahnsinnig schnell Fortschritte. Und so langsam gefiel mir das Laufen immer besser. Ich konnte mich verausgaben und hatte das Gefühl etwas getan zu haben. Und sollte es nicht sogar gut für die Figur sein?

Obwohl es Tage gab, an denen mir Läufer wie eine gesonderte Spezies vorkamen (und das vermutlich auch sind) und ich doch auch nur mal ab und an als Ausgleich laufen wollte, hatte ein kleines Fünkchen mein Herz ergriffen. Das sich langsam, aber sicher zu einem lodernden Feuer entwickelte.

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Wie alles begann…

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2 Gedanken zu „Wie alles begann…

  1. Oh, Du hast auch 2017 angefangen?

    Bei mir bestand der Laufsport als mein Sport schon früher – aber richtig zur Läuferin bin ich 2017 geworden. Seit ich 24 oder 25 war (2004 oder 2005) lief ich, auf Empfehlung meiner Ärztin, gegen die Spannungskopfschmerzen und den Stress. 2013 und 2014 gab’s ein erste Flämmchen Leidenschaft dabei, das von einer langwierigen Geschichte mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ausgebremst wurde – kaum war da das Medikament, das mich sehr sonnenempfindlich machte, mehr oder minder aus Versehen abgesetzt, lief ich los wie von der Sehne geschnellt. Das war 2017, im März.

    Als Jugendliche bin ich Rennrad gefahren, habe Volleyball gespielt und Gesellschaftstanz getanzt. Aber mit nichts habe ich mich so tief infiziert wie mit dem Laufen.

    Läufer sind ein eigenwilliger Haufen, vielleicht eine andere Spezies. Aber man kann da hinüberwechseln. Wahrscheinlich wird man deswegen so nachhaltig zur Spezies „Läufer“ bzw. „Läuferin“, weil der Mensch zum Laufen gemacht ist und das Laufen als Ausdauerjäger den Menschen zu dem gemacht hat, was er heute ist.

    1. Da hast du aber schon einiges mitgemacht. Aber ich verstehe genau was du meinst. Das Laufen kann uns aus dem tiefsten Tal holen oder uns die größte Schlucht zeigen, kann sich federleicht oder betonschwer anfühlen, Grenzen zeigen oder Grenzen verschieben. Wenn man einmal angefangen hat, reißt es einen einfach mit 😀😍
      Vielen Dank für’s Lesen. Ich freue mich sehr über deinen lieben Kommentar 😀

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