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Etappe 1

Von Kornelimünster (Aachen) nach Roetgen

Manches, was sich so schön liest, ist in der Realität gar nicht so leicht umzusetzen. Erst Recht nicht in Zeiten dieser bestimmten C…-Krankheit, die alles um sich herum lahm legt. -Reiseverbot- Die Fortbewegung mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird eingeschränkt und Hotelübernachtungen sind kaum möglich. Aber da mit „Reiseverboten“ keine Erfahrungsreisen gemeint sind und die ersten Etappen nicht weit entfernt sind, pendeln wir eben tagtäglich zu den Startpunkten der Eifelsteigetappen. Wir ist mein Laufpartner, mein Zugpferd, mein „ich warte oben auf dich“. Und da Etappe 1 die kürzeste Etappe mit nur 14 km (352hm Aufstieg und 172hm Abstieg) ist, haben wir uns überlegt, Etappe 2 mit 17 km (373hm Aufstieg und 384hm Abstieg) direkt noch mit hinten dran zu hängen.

Karfreitag. Nach etwas längerer Anreise, stehe ich um 9.51 Uhr bei angenehmen 17 Grad in dem malerischen Ort Kornelimünster am Startschild des Eifelsteigs – mit vielen kribbelnden Laufkäfern im Bauch und einem breiten Grinsen im Gesicht. Es geht endlich los…

Mit der Sonne im Gesicht, geht es herunter in den wunderschönen, aber noch stillschweigenden Ort Kornelimünster. Über Brücken und Kopfsteinpflaster und immer den kleinen Schilder des Eifelsteigs nach, folge ich dem Weg, der mich aus dem Ort in das erste kurze Waldstück führt. Es geht bergauf (wie noch so oft in den nächsten Tagen). Aus einem gemütlichen Laufschritt wird ein zügiges gehen, schließlich habe ich noch so einiges vor. Die Wege sind leer, fast wie ausgestorben. Die Luft ist klar, frisch und ich voller Vorfreude, auf all‘ das, was mich erwartet. Nach einigen Treppenstufen, die ich trotz Zahlenliebe nicht gezählt habe, geht es immer wieder durch bebaute Wohnabschnitte und auf Asphaltstücke. Ich schaue mir schicke Villen an und noch schickere Autos – Scheint eine gute Wohngegend zu sein. Mit der Zeit treffe ich immer mehr Gassigänger, die etwas irritiert aus der Wäsche gucken. Rucksacktouristen kennt man hier zu genüge. Aber Läufer mit schillernden Trailwesten, bunten Kappis und gefühlt schon halb geduscht, sind doch leider eher die Seltenheit hier in der Eifel.

Zauberwald

Es geht weiter in das nächste verzauberte Waldstück. Die Blätter und Sträucher leuchten im hellsten grün, der Fluss glitzert und immer wieder laden Wurzeln zu Trippel-Hüpf Passagen ein. Was ein Spaß! Ich bin zwar alles andere als eine Trailexpertin und verstolpere mich öfter als so manch anderer, aber trotzdem fühle ich mich wieder wie ein Kind, dass mit Vollgas durch den Wald flitzt. Die Haare fliegen im Wind, jeder Schritt ist leicht und federnd. Mein Blick ist konzentriert auf den Boden gerichtet, aber doch tanzen die Laufkäfer in meinem Körper Mambo.

 

Hohes Venn

Es geht nun eine ganze Weile bergauf, bis ich zu diesen berühmt berüchtigten Holzstegen komme, die über das Hochmoor führen sollen. Mittlerweile 11 Uhr ähneln die Holzstege aber eher einer Sonntagsautobahn. Viele Familien drücken sich über den schmalen Holzweg und die weiten Wiesen erinnern mich kaum an eine Moorlandschaft. Irgendwie, ja irgendwie hatte ich mir das ganze spektakulärer vorgestellt. Imposanter. Und länger. Nach wenigen Minuten lasse ich die Holzstege hinter mir, laufe breite Waldwege an einer Talsperre entlang, bis zum Endpunkt der ersten Etappe: Roetgen.

 

In mir tobt noch immer die blanke Euphorie. Obwohl im Ort fast nichts geöffnet hat, erfüllt manchmal eine eiskalte Apfelschorle und ein Eis aus einer Tankstelle die sehnlichsten Wünsche. Auf einer Mauer an der Straße machen wir kurz Pause und beobachten unzählige Rennradfahrer. Die Beine fühlen sich noch frisch an: Fast so wie das Eis, dass ich mal wieder kaum so schnell essen kann, wie es mir schon schmelzend über die Finger läuft. Nach kurzer Pause geht die Reise durch die Eifel weiter. Doch Etappe 2 kann nicht an das Hochgefühl des Morgens anschließen.

 

Etappe 2

Von Roetgen nach Monschau

Es geht los, wie es aufgehört hatte: Die Wege bleiben breite, ausgelatschte Wanderwege und es geht gefühlt unentwegt bergauf. Ich versuche die Zeit zu nutzen und die Landschaft in mir aufzusaugen: Weite Felder, die Trasse der Vennbahn (die mit Radfahrern übervölkert ist) und die warme Luft, die mich umgibt. Salziger Schweiß läuft in meine Augen. Ich versuche mir das bergauf geh-laufen so angenehm wie möglich zu machen. Tauche immer wieder in meine Gedankenwelt ab und bin ganz bei mir. An der Deutsch-Belgischen Grenze geht es über einen schmaleren Weg durch den Wald. Immer wieder hüpfe ich am Grenzstein Deutschland-Belgien hin und her – jauchzend vor Freude, weil die Anreise nach Belgien derzeit doch eigentlich verboten ist. Ausgelassene Freude nennt man sowas, glaube ich.

Eifelsteigsteine

Es geht weiter bergauf: Einen nicht enden wollenden Waldweg, der mich eine dreiviertel Stunde begleitet und nicht nur die Beine müde macht, sondern auch den Kopf ziemlich zermürbt. Hinter jeder Kuppe denke ich, dass das bestimmt das Ende sein muss. Doch Fehlanzeige. Ich erlaufe mir Meter für Meter. Nähert man sich so dem eigenen Ich? Als ich nach insgesamt 2.42h reiner Laufzeit am höchsten Punkt mit 658m ankomme, erwartet mich nicht nur die hervorragende Aussicht auf Bäume, sondern auch das „Suwinir-Geschäft von Simon, Ole und Moritz“, die bunt bemalte Steine verkaufen (Aber bitte keine Hamsterkäufe!! :-)). Nass geschwitzt und glücklich den Anstieg geschafft zu haben, verweilen wir hier nicht lange. Die letzten 7 Kilometer laden ein, einfach mal „laufen zu lassen“. Leicht bergab, immer wieder Trailpassagen, die die Wanderwege durchziehen und das Tagesziel im Blick, das nicht mehr fern ist.

Die letzten Meter

Die letzten Meter über Wurzeln, Felsen und manchmal auch leicht abschüssige Wege fliege ich fast ins Tal. Über ein paar letzte harte Anstiege geht es dann endlich an das Ende der zweiten Etappe. Mit einem großen Eis in der Hand, lasse ich den Tag Revue passieren und bin mir sicher: ich freue mich auf Etappe 3. Und werde bestimmt müde Beine haben.

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Eifelsteig Etappe 1 und 2

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