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Meine Schritte hallen hohl auf dem nass glänzenden Asphalt wieder und ich fühle mich für einen kurzen Moment, als ob ich fliegen könnte. Meine Arme bewegen sich gezielt auf und ab. Vor und zurück. Und während ich mich meinen Gedanken hingebe, habe ich vollkommen vergessen, dass ich etwas ganz Entscheidendes in den Händen halte…

Hier kommt die Maus

Die Laufmaus, bekannt aus Funk und Fernsehen, ist längst ein brisantes Diskussionsthema in der Läuferwelt geworden. Umso spannender für mich, die heiß umworbene Maus mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Laufmaus ist kurz gesagt ein ergonomisch geformtes Griffelement für die Hände. Durch Erkenntnisse aus Medizin, Neurologie, Sportwissenschaft sowie Hirn- und Evolutionssforschung, soll sie letztlich für eine Verbesserung der Haltung sorgen und so eine gesteigerte Laufökonomie und Laufeffizienz mit sich bringen (vgl. https://laufmaus.run)

Es ist egal, ob die Katze schwarz oder weiß ist, solange sie Mäuse fängt. (Deng Xiaping)

Wer die Laufmaus das erste Mal in den Händen hält, wird vielleicht enttäuscht sein. Denn es handelt sich um nichts weiter als eine mausförmig gestaltete Plastikschale mit Luftlöchern und bunten Bändern für die Unterarme. Keine Vibration – kein Technik-Heckmeck. Was nicht verwunderlich ist, denn ursprünglich wurde der Prototyp der Laufmaus aus Luftknete entworfen. Doch nun stehe ich hier. Die Zeigefinger in einer Klettöse fixiert, die bunten Bänder um die Handgelenke gewickelt. Und während ich mir meine Schuhe zubinde und die Klett-Öse bereits eine innige Freundschaft mit meinen Schnürsenkeln schließt, sind meine Gefühle eher wolkig bis heiter.

Die Funktion und Wirkung der Laufmaus beruht auf verschiedenen Erkenntnissen. Ein entscheidender Aspekt ist die Handhaltung: Durch die nach außen gedrehten Hände soll eine tiefere Atmung ermöglicht und gleichzeitig die Wirbelsäule sowie Herzschlagader entlastet werden. Zudem soll die Konstruktion auf die Akupunkturpunkte der Handinnenflächen einwirken, mit dem Effekt die Gesamtvitalität und Leistungsfähigkeit zu erhöhen (vgl. https://laufmaus.run)

Ich laufe die Straße entlang. Der nasse Asphalt glänzt dunkel unter meinen Schuhsohlen und ich atme tief durch. Sehe in meinen Augenwinkeln die bunten Bänder um meine Unterarme tanzen und merke, wie ich deutlich mehr Armarbeit leiste. Läuferdreieck lässt grüßen. Doch schon nach wenigen Metern habe ich die kleine schwarze Form in der Hand vergessen. Spüre sie nicht mehr und bin ganz bei mir. Ich biege auf den nächsten Feldweg ein, sehe das Blau zwischen den Wolken aufblitzen. Fühle mich frei und leicht.

Obwohl ich nicht bewusst darauf achte, merke ich, wie mich die Laufmaus unwissentlich aufrichtet. Meine Armbewegung ist geradlinig, der Oberkörper aufgerichtet und entspannt. Die Kilometer ziehen ins Land und ich spüre wie sich langsam das Gewicht der Anstrengung nähert. Doch sobald meine Schultern leicht in sich zusammensacken, werde ich wie von Geisterhand erneut aufgerichtet. Fühle mich wie eine Marionette, die mit einem unsichtbaren Faden gerade gezogen wird. Und merke, wie mich die Laufmaus bewusst, aber auch unbewusst, zu einer sehr sauberen Lauftechnik führt.

Stadt- und Feldmaus

So wird die Maus mein stetiger Begleiter auf Wiesen und Feld, Asphalt und Stein. Obwohl der Klettverschlussschlawiner immer wieder gerne eine kurze Liaison mit Stoffen und Bändern eingeht, werden die Maus und ich schnell Freunde. Das Laufen ist angenehm und spürbar gerader. Doch eine Veränderung meiner Laufleistungen ist nicht erkennbar – weder in einer App, noch durch Schrittlängen oder Herzfrequenz-Parameter messbar.

Nichts geht jemals vorbei, bis wir daraus gelernt haben, was wir lernen sollten (Pema Chödron)

Eines schönen Tages, als die Maus noch schläft und der Himmel graut, beschließe ich alleine auf Tour zu gehen. Federleicht laufe ich über den gerölligen Kiesboden und atme die warme Luft des Waldes ein. Ein Lächeln zieht sich um meine Mundwinkel, während sich innerlich ein Gefühl der Unsicherheit breit macht. Die Laufmaus hat Dinge gesteuert, Haltungen kontrolliert. So unterbewusst, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich einen langfristigen Lerneffekt mitnehmen konnte. Ich versuche auf meine Armbewegung zu achten, doch da ich nicht weiß, worauf ich achten soll, kommt es mir nicht achtenswert vor, weiter Zeit zu investieren.

Ich laufe um die nächste Kurve, atme die Kühle der Morgenluft ein, die weich und zart meine Lunge füllt. Fühle mich leicht und beschwingt. Mehr und mehr drängt sich die Frage in meinen Sinn, ob ich einen Lerneffekt durch die Laufmaus davon tragen werde. So sehr ich sie mag, so wenig soll sie mein stetiger dauerhafter Begleiter sein. Als die Kilometer vorbeiziehen und ich schließlich bei Katz und Maus zu Hause ankomme, bin ich ebenso erschöpft, schnell und ausgelassen, wie ich es auch mit ihr gewesen war.

Fazit: Du musst nur die Laufrichtung ändern, sagte die Katze zur Maus und fraß sie auf.

Temporär und gerade nach einer Verletzungspause halte ich die Laufmaus für ein schönes Werkzeug, um sich nicht durch Schonhaltungen andere Verletzungen zuzuziehen. Einen Lerneffekt konnte ich durch die Arbeit mit der Laufmaus nicht ziehen und eben so wenig eine ganz persönliche Steigerung meiner Leistungen feststellen. Daher werde ich sie zukünftig nur bei Bedarf mitnehmen. Oder anders gesagt: Da beißt die Maus keinen Faden ab.

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Die Laufmaus – ein Testbericht

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8 Gedanken zu „Die Laufmaus – ein Testbericht

  1. Vielen Dank für den interessanten Bericht. Hab da schon gespannt drauf gewartet.👍🏻😊👍🏻 Hast Du wieder richtig toll geschrieben.😍

  2. Liebe Sara! Bin gerade durch Zufall über deinen Blog-Beitrag gestolpert und finde ihn richtig klasse geschrieben. Hat mich echt gefesselt. Herzlichen Dank für den tollen Text!

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