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Ein letztes Mal. – Ein letztes Mal die Uhr starten, die schmerzenden Beine in Bewegung setzen und die Verfolgung auf die kleinen grünen Schilder aufnehmen, die den Weg zum Ziel markieren. Ein letztes Mal die meist klare oder von kuhdung versetzte Eifelluft einatmen und den Hügeln ins Gesicht strahlen. Ein letztes Mal Eifelsteig – Etappe 15 und das große Finale.

Der Nachteil daran, mit einem Auto unterwegs zu sein, ist der, mit einem Auto unterwegs zu sein.

Obwohl ich ein großer Freund von Umweltschutz, Tierliebe und allem Grünem bin, was man essen oder nicht essen kann, ist die Bahnnutzung in kleinen Eifeldörfchen manchmal ein schwieriges Thema – So auch heute. Bahnlinien fahren nicht, sind verspätet oder was noch viel häufiger der Fall ist: Es gibt überhaupt keine Bahnlinien. Und so erwischen wir uns wieder dabei, dass wir ellenlange Anreisezeiten in Kauf nehmen, ehe ein Auto im Ziel steht und Mr Camper am Anfang des Eifelsteigendes steht. Oder anders ausgedrückt: Können wir jetzt endlich loslaufen?

Etappe 1: Von Kordel nach Trier

20 km mit 600 Höhenmetern Aufstieg und 600 Höhenmetern Abstieg

Mit Beinen, die sich mehr nach Pinocchio als nach Geppetto anfühlen, führt uns der Weg aus dem kleinen Ort Kordel heraus und in ein verzaubertes Waldstück hinein. Entlang eines kleinen Flusses windet sich der Weg über malerische Brücken und an einen kleinen Felsnasen vorbei. Mit kleinen Tippelschritten kämpfen wir uns durch den feuchten Morast des Kylltales vorwärts, während uns eine Mischung aus Nieselregen und Schweiß über die Haut rinnt. Wir kommen nur langsam voran. Fallen immer wieder ins Gehen und lassen mit offenem Mund die atemberaubende Landschaft auf uns wirken.

Treppenglück

Wer nach einem anstrengenden Training schon einmal eine Treppe bezwungen hat, weiß, was in meinem Kopf vorgeht, als der kleine große Hügel vor mir liegt. Mit schmerzverzerrtem Gesicht schreite ich die Treppen empor, nur um direkt dahinter weiter einem Forstweg den Berg hinauf zu folgen. Die Strecke führt uns wie über einen Hügelkamm bergauf und ab durch tiefe Wälder. Während ich bergauf frohes Mutes voranschreite, erscheint mir jeder Downhill wie ein großes kleines Hindernis. Mit kreischenden Beinen und lachendem Herzen fliege ich über die nächste Kuppe, nur um kurz darauf wieder hochzukriechen.

It’s Snacktime

Bergaufzeit ist Essenszeit – zumindest bei mir. Da ich erwiesenermaßen die langsamste Bergaufgeherin der Welt bin und jeden Tag auf meine Ehrung mittels Schneckenpokal warte, nutze ich diese Zeit zum fröhlichen Snacken. Und da ich heute zugegebenermaßen direkt Hunger für fünf habe, bin ich ganz froh darüber, dass dieser Wald fünfmal so hügelig ist wie andere Wälder.

Über einen breiten Forstweg vergehen die nächsten Kilometer wie im Flug. Im Hintergrund zeichnet sich langsam die vertraute Geräuschkulisse der fernen Großstadt ab, während ich an Wandersleuten und Hundespaziergängern vorbeilaufe. Obwohl die Stadt stetig näher kommt und fast zum Greifen nah scheint, markieren die Eifelsteigschilder einen scharfen Anstieg in einen kleinen Wald hinein.

Rechts ab!

Ich kraxel über losen Waldboden auf einen wunderschönen Singletrail. Tänzel über kleine Trampelpfade und stehe bald an einem Aussichtspunkt: Vor mir thront die Kulisse Triers, während hinter mir der Wald tobt.

Zuckerwatteleicht fliege ich über Wurzeln und Steine, während sich mein Kopf nach Regenbogenzauber und Einhörnern anfühlt. Mit jedem Meter wird mir bewusster, dass ich es bald geschafft habe, bald am Ziel bin:

Was sich als lose fadenscheinige Idee entwickelt hat, ist mit jeder Etappe mehr zu einem festen Wollknäuel geworden. Obwohl ich mir zwar sicher war, dass es sicherlich toll wäre, mir den Eifelsteig komplett zu erlaufen, dachte ich insgeheim, dass sich die Idee wie so oft, im Sande verlaufen wird. Nun hinterlasse ich mit jedem meiner Schritte in eben jedem Sand der roten Sandsteinfelsen, meine Fußabdrücke auf dem Weg der letzten Etappe.

Auf dem Weg in die Ewigen Jagdgründe

Gemeinsam mit ich-warte-oben hüpfe ich mit großen Schritten den Berg hinab. Und stehe plötzlich und ganz unvermittelt, vor dem Tor der ewigen Jagdgründe. Neben dem ich wiederum das „Eifelsteigende“-Schild entdecke. Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Anordnung einen speziellen Grund hat, grinse ich etwas dümmlich in die Kamera – und würde am liebsten vor Stolz platzen.

Da dies zwar das offizielle Ende ist, es aber einen Zubringerweg bis zur Porta Nigra gibt, haben wir uns schon im Vorfeld entschieden, die letzten Kilometer bis in die Stadt weiter zu traben. Und so laufen wir mit stolzgeschwellter Brust die letzten Meter über die Mosel und durch eine kleine Parklandschaft, während in meinem Kopf ein Feuerwerk entfacht.

Nach 3 langen Wochenenden und insgesamt 10 Lauftagen liegen nun 313 km mit 7750hm Aufstieg und 8000 Höhenmeter Abstieg hinter mir. Ich bin einmal quer durch die Eifel gelaufen und habe dabei nicht nur traumhafte Trails entdeckt, wunderschöne Bauwerke erkundet und die Eifel in ihrer ganzen Bandbreite wahrgenommen, sondern auch die Liebe zu Mehrtagestouren und Etappenläufen entfacht.

Die letzten Meter schwebe ich wie auf Wolken, fliege förmlich dem imposanten Bauwerk entgegen. Obwohl meine Uhr nicht ganz 20 km anzeigt, die Geschwindigkeit gemütlich war und wir keine 2,5 Stunden unterwegs waren, fühlt es sich nach Ankommen an. Nach Erleichterung und dem schieren Unglauben, es geschafft zu haben.

Obwohl ich nun ein erstes kleines Fernwanderweg-Kapitel abschließen kann, weiß ich doch, dass sich dabei für mich ein Tor in eine neue Welt geöffnet hat.

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Eifelsteig Etappe 15

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2 Gedanken zu „Eifelsteig Etappe 15

  1. Ich feiere bei jedem Artikel den Schreibstil. Immerhin habe ich auch alle Beiträge gelesen. Das kann ich nicht von jedem Blog sagen. Und dann noch alle Etappen auf dem Eifelsteig zu erleben ist fast wie selber laufen. Danke dir dafür.

    Was kommt als nächstes?

    1. Danke, lieber Marco. Das bedeutet mir so viel 😀. Danke fürs Lesen meiner Beiträge, die wunderschönen herzlichen Kommentare, das offene Ohr und die vielen Tipps, die du mir schon gegeben hast. Ich bin selber gespannt, was als nächstes kommt. Der eine oder andere Fernwanderweg wartet noch und mein kleines Gravelbike scharrt auch schon wieder mit den Reifen 😀

      Jetzt werde ich mich aber erstmal deinem Blog zuwenden, denn da wartet auch wieder was auf mich, dass ich noch nicht kenne.
      Liebe Grüße, Sara

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