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Von Monschau nach Einruhr

Mit schweren Schritten schleppe ich mich über das harte Kopfsteinpflaster der Altstadt zum Startpunkt. Das GPS meiner Uhr verkündet mir fröhlich, dass es nun bereit wäre. Das ist ja schön für mein GPS, ich fühle mich noch so gar nicht bereit. Ich atme tief ein. Die Luft ist frisch und klar. Meine Trinkweste auf dem Rücken sitzt fest und fühlt sich an wie mit Steinen beladen. Unwillig trete ich von einem Fuß auf den anderen, bis ich mich schließlich dazu durchringe, den Startknopf meiner Uhr zu drücken. Mühsam trotte die ersten Schritte bergauf durch die Fußgängerzone. Selten hat sich das Laufen so falsch angefühlt…

Es geht direkt ein paar steile Treppenstufen nach oben, auf denen ich mich zig mal verstolpere. Irgendwie bin ich scheinbar doch noch nicht ganz wach – und irgendwie frage ich mich auch, was ich hier eigentlich gerade tue. Doch nach ein paar Minuten genieße ich schon die Aussicht über die Stadt und atme tief durch. Ich bin gespannt auf die heutige Etappe. Auf mich warten 24km (786hm Aufstieg und 903hm Abstieg) und die offizielle Einstufung als „schwer“. Na das kann ja heiter werden! Und das wird es tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes auch werden. Im besten Sinne.

Die ersten Kilometer führen mich durch Wald, über scharfkantige Schieferfelsen, viele Wurzeln und traumhafte Singletrails. Als hätte jemand einen Schalter in meinem Kopf umgelegt, bin ich nun mit einem Mal Feuer und Flamme und mit voller Konzentration bei der Sache. Ich achte auf jeden Schritt den ich setze, denn ein Stolpern könnte zu bösen Verletzungen führen. Die Kilometer fliegen unter den Schuhsohlen daher und ich kann mir nichts schöneres vorstellen, als im Hier und Jetzt zu laufen. Der Wald ist noch kühl, dunkel und die Wege einsam. Die heutige Etappe ist gezeichnet von schmalen Waldwegen und viel Kraxelei. Ein Traum für jeden Trailrunner oder zumindest für jeden, der gerne auf Waldwegen läuft.

Nach einigen Kilometern gelangen wir an eine Talsperre. Der Weg ist hier breit und flach, wird jedoch stetig etwas steiler. So lange ich laufen kann, versuche ich zu laufen, denn irgendwie muss ich den Berg hinter mir lassen. Wenn es zu steil wird, gehe ich einige Schritte. Ich habe für mich noch nicht die richtige Bergziegen-Technik gefunden: Sobald ich anfange zu gehen, fühle ich mich automatisch wie beim Sonntagsspaziergang, obwohl meine Beine gerade Schwerstarbeit leisten. Da hilft auch alles abstützen auf den Oberschenkeln nichts (Vielleicht sollte ich mir auf die Karte schreiben, das Bergaufgehen zu üben). So schleppe ich mich Meter für Meter voran, bis wir erneut durch ein kleines verschlafenes Eifeldörfchen kommen. Der Ort liegt schnell hinter uns und es liegt ein langes Auf und Ab Stück vor uns. Mit jedem kleinen Anstieg werden die Beine müder und beginnen ein kleines bisschen lauter zu schreien.

Als sich die Rur durch den Wald schlängelt, machen wir auf einer kleiner Brücke eine kurze Pause und kühlen uns mit dem kalten Flusswasser ab. Was eine Wohltat! Die Hälfte der Strecke wartet noch auf uns und die Einstufung als schwer hat ihre Berechtigung – zumindest, wenn man die Strecke laufend zurücklegt. Die Anstiege sind knackig und manchmal hat man das Gefühl auf der Stelle zu treten.

Es geht weiter hoch: Die Sonne glitzert hinter den Bäumen und scheint manchmal hell und gleißend ins Gesicht. Die Luft fühlt sich drückend und schwer an, obwohl die Bedingungen nicht optimaler sein könnten. Im Kopf kreist immer wieder der Satz „Wenn es einfach wäre, würde es jeder tun“, der mich immer wieder dazu motiviert, weiterzumachen. Ich zähle Countdowns, nur um wieder bei 20 oder bei 100 zu beginnen. So ist wenigstens mein Kopf beschäftigt. Langsam möchte ich nicht mehr bergauf gehen. Meine Beine tun weh und die Kilometer ziehen sich daher. Nach ca. 16 km geht es endlich bergab und ich kann wieder neue Kraft tanken. Erleichterung macht sich breit, als ich mich langsam dem Zielort nähere und die letzten Meter den Berg herunterflitzen kann. Am „Eifelsteig“-Schild stoppe ich die Uhr und grinse in mich hinein, in dem Wissen, dass es genau hier morgen weitergeht.

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Eifelsteig Etappe 3

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