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Es ist Pfingsten – Das Wochenende im Jahr, an dem der Montag frei ist und eigentlich niemand so genau weiß warum überhaupt. Doch manchmal braucht es kein Warum im Leben, sondern nur ein Wie, um alle Fragen dieser Welt zu beantworten. Und wie könnte man ein freies Wochenende sonst auch besser verbringen, als auf den heimischen Wegen und in den weiten Wäldern des Eifelsteigs.

Mit dem vertrauten Geruch von Sonnenmilch und Frühjahrsmüdigkeit in der Nase, mache ich mich zusammen mit ich-warte-oben auf die Reise – Nach Manderscheid, zu Kloster Himmerod und zu Mister Camper, der dort bereits sehnsüchtig auf unsere Ankunft in knapp 39 km wartet.

Etappe 11: Von Daun nach Manderscheid

23,4 km mit 560 hm Aufstieg und 650 hm Abstieg

Ein Märchenlauf

Gemündener Maar – Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, als wir uns auf zum Anstieg des ersten kleinen Berges machen. Ich schleppe meine noch müden Beine den kleinen Single Trail hinauf, während mein Herz bereits zu wildem Galopp ansetzt. Die Sonne glitzert zwischen den Baumwipfeln und von unten funkelt mir der See verlockend entgegen. Strammen Schrittes erklimme ich den kleinen Hügel und stehe mit einem Mal vor dem ersten Highlight der Etappe.

Rapunzel, Rapunzel – lass dein Haar herunter

Wie in einer Märchenwelt gefangen, stehe ich staunend vor dem Dronketurm und lasse die wunderschöne Aussicht auf mich wirken. Nach einer kurzen Schaukeleinheit und „oh ist das schön“-Ausrufen geht es weiter. Mich umringt das satte grün blühender Wiesen, gefolgt von den picksenden Haaren einer gemeinen Brennnessel. Über einen schmalen Pfad erreichen wir das Weinfelder Maar und anschließend das Schalkenmehrer Maar. Umringt von einer ganzen Herrschar des Wesens, das nur über Gräselein sprang und kein einzig Blättelein fand, fühle mich ein bisschen wie Hans im Glück, während ich die wilde Vulkanlandschaft hinter mir lasse.

Ich laufe weiter. Atme die warme Schwere der Frühjahrsluft ein und lasse mich von der wohligen Ruhe einhüllen. Ich höre die Vögel zwitschern. Folge Forstwegen über Wiesen und immer kleiner werdenden Steigen durch die Wälder. Nur selten begegnen wir Wanderern, die uns freundlich grüßen und doch immer wieder irritiert zu sein scheinen, was so bunte Vögel hier wohl treiben. Gefühlt viel zu schnell nähert sich Burg Manderscheid und damit das erste Etappenziel des heutigen Tages. Auf einem kleinen Pfad nähern wir uns der Stadt und freuen uns auf eine kleine Zwischenstärkung.

Oh du heilige Tankstelle

Da Tankstellen Wind und Wetter trotzen und meistens sogar geöffnet haben, wenn ominöse Feiertage oder Corona-Regeln herrschen, sind sie auf längeren Touren eine Art heiliger Gral für mich geworden. Mit vollen SoftFlasks, einem Eis in der Hand und einer Apfelsaftschorle im Bauch fühle ich mich bereit, um Dornröschen aus ihrem Schloss zu befreien.

Etappe 12: Von Manderscheid nach Abtei Himmerod

18,2 km mit 400 hm Aufstieg und 500 hm Abstieg

Nach einer kurzen Runde durch den Kurpark, führt uns der Weg wieder zurück auf den Lieserpfad und an kleinen Schneewittchenhäusern vorbei. Obwohl sich die kleinen Schutzhütten vermutlich optimal als Übernachtungsmöglichkeit für Eifelsteig-Wanderer eignen würden, findet man an jeder Ecke „Campieren-Verboten“ Schilder und Warnhinweise vor. Und da wir weder eine Hütte mit 7 Gäbelein, noch Becherlein finden, folgen wir lieber dem schmalen Pfad tiefer in den Wald hinein und lassen die Burg Manderscheid hinter uns.

Willkommen in der Waschküche

Den Himmel überzieht mehr und mehr eine düstere Wolkendecke, die sich wie ein feuchter Schwamm über uns legt. Bei gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit tippeln wir wie in einer Dampfsauna die schmalen Trampelpfade hoch, nur um kurz darauf wieder wellenförmig herunter zu laufen. Kreuzen kleinere Bäche und modrige Äste. Immer wieder beginnt ich-warte-oben-auf-dich zu straucheln, hat Kreislauf- und Magenprobleme. Wir setzen uns eine Zeit auf die feuchte Erde, während sich der Himmel zwischen den düsteren Bäumen weiter zuzieht. Es liegt ein Gewitter in der Luft und der Wald scheint mit jedem Atemzug finsterer zu werden. Nach einiger Zeit traben wir wieder an, nur um kurz darauf den nächsten Notstopp einlegen zu müssen. Wir schließen für einen Moment die Augen und überlegen, welche Möglichkeiten uns mitten im Wald bleiben.

Nach circa 20 Minuten versuchen wir erneut ein Stück weiterzukommen. Salzränder überziehen unsere Haut, während sich die warme Feuchte auf unsere Haut legt. Mit dem Gefühl, dass nicht der Mann mit dem Hammer, sondern vielmehr Frau Holle mit dem Teppichklopfer hinter uns her ist, lassen wir uns über den eigentlich wunderschönen Pfad treiben. Der Weg wird breiter – der Wald lichter. Wir stapfen über matschige Wege zwischen Farnsträuchern und Ästen den Berg hinauf, kämpfen uns Meter für Meter voran. Oben angekommen wirft sich ich-warte-oben erneut auf den Boden, will weder essen, noch trinken. Auf unserer Uhr fehlen noch circa 4 Kilometern bis zum rettenden Ziel und in uns breitet sich langsam die bittere Verzweiflung aus.

Durchatmen, zur Ruhe kommen.

Die letzten Kilometer führen uns stetig bergauf durch tiefes Gras und an kleinen Koppeln vorbei. Mit hüpfendem Herzen nähern wir uns Mr Camper, fliegen förmlich die letzten Meter zum Kloster Himmerod hinab. Bei Kaffee, Kuchen und Klosterbier lassen wir vollkommen erschöpft den Tag ausklingen – Und sind doch stolz darüber, beide Etappen geschafft zu haben und voller Vorfreude darauf, hier morgen die nächste Etappe beginnen zu können.

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Eifelsteig Etappe 11 und 12

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