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Kilometerweit folge ich dem verschnörkelten Höhenweg, tanze über Wurzeln und Steine. Ich atme mit jedem Schritt das warme Panorama der kühlen Berge ein, lausche fernen Kuhglocken im nahen Tal. Und gerade als die Welt kaum schöner sein könnte und mein Herz vor lauter Freude hüpft, hüpfe ich mit beiden Füßen knietief in Kuhscheiße. Ach du schöne Scheiße – Und willkommen im Grande Finale.

Es ist schon spät am Abend, ehe wir angeschwippst vor lauter Glück dem Online Briefing des nächsten Tages folgen:

Schwerste Etappe geschafft – Gutes Wetter – Streckenänderung.

Nichts von Belang und doch macht sich das mittlerweile vertraute Gefühl von Nervosität in meinem Kopf breit. Die Stimmung war ausgelassen, die Beine sind schwer. Und obwohl das Leben so schön sein könnte, krallt sich eine böse Vorahnung in meinem Inneren fest…

Trailweste packen, Motivation zusammenkratzen – Auch wenn ich während der letzten Etappen kaum etwas gegessen habe, sind meine Taschen wieder prall gefüllt. Ich beschrifte ein letztes Mal Riegel, Gels und Traubenzucker, deren eddingverschmierte Nummern kaum mehr lesbar sind. Fülle meine klebrig verkrusteten Flaschen und schaue, ob meine Wechselkleidung noch trocken ist. Fast schon wie ein alter Hase sortiere ich meine sieben Sachen, während mein Blick auf meine umfunktionierte Verbandstasche fällt, die eigentlich eine ganz andere Funktion haben sollte.

Chackpack ist eine handliche Tasche in Reisegröße, die der alles Kleine übersichtlich sortiert ist. Ihre Transparenz sorgt für optimalen Überblick, so dass auch Sicherheitsrichtslinien an Flughäfen erfüllt werden können. Durch den stabilen Innenrahmen und den weit umlaufenden Reißverschluss besteht keine Kippgefahr der Utensilien, die spritzwasserfest verpackt sind.

Herstellerangaben unter www.chackpack.com

In dem kleinen Täschchen, in dem eigentlich Deo, Bodylotion und Duschbad verstaut waren, findet sich nun der gesamte Inhalt eines Verbandspaketes, das vorgeschriebene Desinfektionsgel, Blasenpflaster und allerlei Kleinigkeiten, die nicht nass werden sollten, wieder. Durch die weiche und durchsichtige Hülle, ist nicht nur der Transport für mich leichter in der Trailweste zu handhaben, als die Hartschale des Verbandsköfferchens, sondern freut vor allem auch jeden Taschenkontrolleur an der morgendlichen Einlasskontrolle. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen stelle ich ein letztes Mal meinen Wecker und lege mich zusammen mit tausenden Schmetterlingen in meinem Bauch schlafen.

Das große Finale

Etappe 4 – Von Pfunds nach Nauders

29,4 km mit 1900 Höhenmetern Anstieg und 1500 Höhenmetern Abstieg

Mit einem breiten Grinsen unter der Maske begrüße ich die Wir-können-auch-schneller-Clique, die als Aufwärmprogramm Skilanglaufbewegungen in den frühen Morgenstunden des Startblockes macht. Doch trotz den fröhlichen Tönen und viel Gelache, scheint die letzte Etappe wie ein Damaskusschwert über uns zu schweben. Jeder möchte sein Bestes geben – seine Platzierung im mittelsten Mittelfeld nicht wieder hergeben. Und so gleicht der Startschuss dem des ersten Tages – mit lautem Geschrei und in vollem Galopp.

In aufgeregtem Getöse geht es der wilden Meute hinterher – mit wiehernden Beinen und peitschenden Gerten.

Schon nach wenigen Metern führt der Weg bergauf, so dass bereits auf dem ersten Kilometer die Waden mindestens genauso stechen, wie meine Bergauf-Laufstöcke den Boden malträtieren.

Die Strecke windet sich in breiten Forstwegen den Berg hinauf. In einer Mischung aus Laufen und Wandern kämpfe ich mich weiter und passiere die erste Wasserstelle, ehe wir uns tiefer in die Höhe begeben. In weiten Schlingen umwandern wir Bergkämme, begutachten Strommasten aus nächster Nähe und lauschen immer wieder dem Klang der Gipfelglocke, die wir hinter jeder Ecke sehnlichst erwarten.

Gipfelglocken-Jubelalarm

Manchmal ist es erst ein Finale, wenn es sich nach Finale anfühlt

Die Medical Crew ist nicht nur unser Freund und Helfer, sondern auch unser größter Motivator. Unter Jubeln und Klatschen versichert uns jeder Streckenposten, dass wir es bald geschafft haben. Und ahnt vermutlich nicht, in welche Gefahr er sich damit begibt. Der Weg windet sich durch ein ständiges Auf und Ab und auf jeden kleinen Downhill folgt ein umso härterer Anstieg. In strahlendem Leuchten des Bergpanoramas erreiche in den ersten VP und weiß, dass noch ein ganz schönes Brett auf mich warten wird.

Obwohl es für mich mit Abstand die schönste Etappe ist, merke ich doch, wie meine Beine mit jedem Meter schwerer werden.

An vielen Stellen ist der Höhenweg abgerutscht und von Wurzeln durchsetzt. Die Beine fühlen sich bleischwer an und mein Kopf ist wie in Watte getaucht.

Ich möchte weiterkommen, keine unnötigen Pausen machen.

Und doch fange ich an, immer mehr undurchdachte Schritte zu setzen. Zu taumeln. Den Mut zu verlieren. Ich nehme ein Gel, versuche viel zu trinken.

Mit einem Mal lockert sich der Boden unter meinen Füßen und ich rutsche ein Stück den Berg hinunter. Mein Arm ist merkwürdig verdreht und ich brauche einen Moment, um mich selber zu entwirren. Ich stehe auf dem Weg, bin den Tränen nahe. Habe keine Kraft mehr und weiß nicht, wie weit ich noch laufen muss. Ich bin unsicher und niedergeschlagen.

Ich höre wie sich ein Läufer hinter mir nähert und biete ihm an, mich zu überholen. Und obwohl er sicherlich schneller wäre, bleibt er bei mir und versichert mir, dass ich das super mache. Ein Fünkchen Freude, ein Fünkchen Hoffnung.

Gemeinsam schleppen wir uns die letzten Kilometer bis zum zweiten VP – an dem uns unter Jubeln und Klatschen versichert wird, dass wir es bald geschafft haben.

Bergauf – bergab, wie ein Surfer beim Wellenreiten.

Noch ein letzter kleiner Anstieg, ehe es über Wiesen und schmale Wege den Berg hinab geht. Die Beine Schmerzen, der Kopf ist leer. Ich versuche nochmal alles zu geben und höre von fern das blecherne Schallen des Zielsprechers. Noch um zwei letzte scharfe Kurven ehe es unter viel Applaus und noch mehr Juchhe ins langersehnte Ziel geht.

Kraftlos bleibe ich stehen. Nehme mit glasigen Augen meine Medaille entgegen und trage voller Stolz mein Finishershirt.

Ergebnis: Platz 147 von 317 Teilnehmern in insgesamt 16:53:01 Stunden

AK Platz 14 von 37

Bei Kasspatzle und mit Kasfüßen lasse ich zusammen mit tollen Menschen ein tolles Abenteuer ausklingen, das nur noch von verzierten Helmen und Lauffritteusen gekürt werden könnte. Und weiß, dass mein erstes Mal in den Bergen nicht schöner hätte enden können.

*Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Chackpack entstanden.

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4trails – Mein erstes Etappenrennen in den Bergen (Teil 3) – Das große Finale

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8 Gedanken zu „4trails – Mein erstes Etappenrennen in den Bergen (Teil 3) – Das große Finale

    1. Hallo Marco, vielen Dank für deinen Kommentar. Es war eben wirklich ein großes Finale – im wahrsten Sinne des Wortes.
      Jetzt muss ich aber unbedingt nochmal auf deinem Blog stöbern. Gefühlt habe ich vermutlich ewig viel verpasst.

      Liebe Grüße 😀

  1. Grossartig!!!!
    Finden wir nicht mal etwas zwischen Eifel und Schönbuch um an der Choreo des Stockeinsatzes zu feilen und dies bei lauffritierten Pommes zu feiern 😉

      1. Ich fahre morgen ganz spontan in die Pfalz zum Pfalz trail und laufe die 21 km (länger ist nicht kompatibel mit dem Wochenende danach;-) Anreise aus dem Ahrtal 2 Stunden, aber viel kürzer fahr ich auch nicht. Falls es spontan passt 0173 3020669. Wäre gut du stellst meine Nummer nicht öffentlich 😀

  2. Wow, hast Du die Tage gut beschrieben. Ich fühle mich, als wäre ich gerade erst zurückgekehrt. Bei jedem Absatz weiß ich, wo Du Dich gerade auf der Strecke befindest. Also ich bin wirklich sehr begeistert!
    Viele Grüße und auf die nächsten gemeinsamen Kilometer!
    Klaus

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