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Etappe 7 – Ahrquelle. In der schon untergehenden Sonne mache ich mich auf den Weg zum Anfang vom Ende, zum Ursprungsort der Ahr oder auch einfach zum Startpunkt in das nächste aufregende Eifelsteig-Wochenende.

Lasset die Eifelsteigspiele beginnen

Ostern steht vor der Tür und da der Osterhase in Zeiten von Ausgangssperren und Reiseverbot vermutlich kaum seine Runde ohne Negativ-Testergebnis drehen wird, komme ich eben zum Osterhasen. Und weil es kein besseres Eier-Versteck als den Eifelsteig mit Doppel-Ei geben könnte, stehe ich als kleiner Spion in geheimer Mission schon bald bereit.

Von Blankenheim nach Mirbach

17,7 km mit 450 Höhenmetern Aufstieg und 450 Höhenmetern Abstieg

Mit einem Grinsen im Gesicht starte ich die Uhr und biege um die erste Ecke. Treppensteigen – Da kommt Freude auf. Mit dem guten Gefühl die ersten Höhenmeter in der Tasche zu haben, finde mich kurz darauf auf einem breiten Feldweg wieder. Die Sonne strahlt mir kraftvoll ins Gesicht und ein Traktor zieht röhrend auf dem Feld seine Bahnen. Ich atme tief ein: Der warme Geruch von Frühling kitzelt meine Nase – vermischt mit der herben Note von frischem Kuhdung. Zeit, mich in Bewegung zu setzen.

Nimm‘ mir nicht die Butter vom Brot

Mit leichten Schritten trabe ich über den mit Kieselsteinen bedeckten Wirtschaftsweg, dem früheren „Brotpfad“, aus dem Ort heraus und lasse den Blick über das Eifeldörfchen Blankenheim schweifen. Der See glitzert in der Abendsonne und der Ort liegt wie ausgestorben vor mir. Meine Schritte sind leicht und eine innere Ruhe breitet sich in mir aus: Endlich bin ich wieder hier – endlich wieder auf dem Eifelsteig unterwegs. Die losen Steine schießen unter meinen Sohlen davon und ich höre mich zuckerwatteleicht ausatmen.

Dieses Jahr wollen wir auf dem Eifelsteig überostern und die Vulkaneifel ein bisschen aufmischen. Dazu sind Ich-warte-oben-auf-dich und ich mit zwei Autos unterwegs, die wir immer an Start und Ziel der jeweiligen Etappe parken. Klingt komisch – ist aber so. Auf den inneren Kopfkarten sind die nächsten 4-5 Etappen geplant, aber da das Abenteuer immer da beginnt wo Pläne aufhören, gehen wir es gewohnt planvoll planlos an.

Wo man sitzen kann, sollte man sitzen

Der Pfad führt mich über ein winziges Stück Singletrail in einen verzauberten Märchenwald hinein. Ganz in meine kleine Gedankenwelt vertieft, übersehe ich fast ein geschnitztes Stühlchen am Wegesrand. Ob hier wohl die 7 Zwerge leben? Ohne groß darüber nachzudenken stürze ich mich mit feuereifer darauf. Und strahle fröhlich in die Kamera, bis es unter mir bedrohlich knirscht. Oh oh! Hier sind wohl doch keine Zwergenkilos am Start. Vorsichtig und ganz ohne wütende Zwergenmeute im Schlepptau, setze ich mich lieber schnell wieder in Bewegung.

Ich folge dem ausgelatschten Spazierweg an einer Kapelle vorbei und ein breites Lachen überzieht mein Gesicht: Die Umgebung schmeckt nach Urlaub und Abenteuerlust. In Serpentinen schleppe ich mich bergauf. Ich stolpere über die losen Steine und finde mich bald auf einer Hauptstraße wieder. Der Duft von frischen Pommes, gebratenen Zwiebeln und warmen Kaffee weht zu mir herüber und mein Magen schreit bedrohlich auf. Jetzt bloß nicht ablenken lassen!

Ich laufe in meinem Rhythmus weiter. Fast schon meditativ mischt sich das sanfte Platschen von Schritten auf Steinboden in leises Vogelgezwitscher. Ganz in Gedanken versunken vergeht die Zeit zwischen Feldern und Bauernhöfen, Wegeskreuzungen und Landstraßen viel zu schnell.

Aussichtspunkt – Erlöserkapelle.

Mit den letzten Sonnenstrahlen komme ich am Etappenziel an – und während ich das Lichtspiel auf der wunderschönen Kirche betrachte, fühle mich erlöst von den bösen Gedanken der letzten Monate, dass ich auf dem Eifelsteig wohl nie weiterkommen werde.

Eifelsteig Etappe 8 – Kann mal jemand das gute Wetter wieder einschalten?

Karfreitag – Einsteigen, Umparken, Zurückfahren, Loslaufen.

Eingepackt wie auf Nordpolexpedition geht die Reise an diesem Morgen weiter. In einer Mischung aus Struwelpeter und Marilyn Monroe, die verzweifelt versucht ihren Pullover in Zaum zu halten, bahne ich mir meinen Weg zwischen Feldern und Wiesen hindurch und bin fast erleichtert, als ich nach einigen Kilometern den rettenden Waldrand erreiche. Natürlich nicht ohne schicke Fönfrisur, die man bei diesen Windbedingungen eben so trägt.

Heute bringt mich der Eifelsteig von Mirbach nach Hillesheim

26,1 km mit 500 Höhenmetern Anstieg und 500 Höhenmetern Abstieg

Achtung Sprengung!

Nach einigen breiten Wegen und Brückchen erreiche ich ein großes abgesperrtes Gebiet mit Warnschildern an jeder Ecke: Sprengung, Lebensgefahr – Bildern von Totenköpfen und weiteren Hinweisen, die man sonst nur auf Piratenschiffen entdeckt. Na tolle Wurst.

„Johann, bitte sprengen Sie den Rasen“ – „Bedaure Herr Graf, das Dynamit ist alle.“

Von Feldern und Steinbrüchen umgeben, bahne ich mir meinen Weg durch den schneidenen Wind, der mir entgegenschlägt. Und während ich mich im Todeskampf mit meinem Pullover befinde, läuft ich-warte-oben über Wiesen und Weiden und versucht verzweifelt, seine Kappe wieder an die Leine zu nehmen. Hat hier vielleicht jemand ein Clownskommando bestellt? Als kleines zwei Mann-Kasperle-Theater erreichen wir kurz darauf den Dreimühlen-Wasserfall und tun so, als wäre nie etwas gewesen.

Kleine Auszeit gegen Spende

Wo Katz und Maus sich begegnen, laufen sich scheinbar auch Hinz und Kunz über die Füße. Menschenmassen tummeln sich um das wunderschöne Farbenspektakel des Wasserfalls und bewandern den kleinen verwunschenen Trail, als wenn es kein Morgen gäbe. Um eine Ecke herum, entdecken wir plötzlich einen kleinen Klapptisch mit Kannen, Blechen und Tassen.

Während wir beim näherkommen noch Witzchen machen, dass sogar extra Verpflegungspunkte für müde Wanderer aufgebaut wurden, wundern wir uns nicht schlecht, als wir den Tisch erreichen. Liebevoll selbstgebackene Kuchen, Limonade und Kaffee stehen gegen eine Spende für die Tafel bereit. Mit einem Luftsprünge schlagenden Herzchen, lasse ich mir Kaffee, Kuchen und viel Liebe durch den Bauch gehen und freue mich über Menschen, die sich so für andere einsetzen. Im absoluten Kuchenhigh schweben wir förmlich über die Wirtschaftswege und wundern uns mit einem Mal, dass wir schon seit einigen Kilometern keines der Eifelsteigschilder mehr finden können, wo sie doch sonst an jeder Ecke stehen… Ob wir uns verlaufen haben?

Fortsetzung folgt

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Eifelsteig Etappe 7 und 8

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8 Gedanken zu „Eifelsteig Etappe 7 und 8

  1. Hei Sara. Der erste Satz hat mich schon abgeholt, umgehauen und mitgenommen.“In der schon untergehenden Sonne mache ich mich auf den Weg zum Anfang vom Ende, zum Ursprungsort…“ Das hört sich gut an. Das fühlt sich mit an. Ich mag deine Beobachtungsgabe, die Bilder die du beschreibst – teilst. Ich schau mal wieder vorbei, ganz bestimmt.

    Liebe Grüße, Jens

  2. Hey Sara. Ich finde es begeisternd, in was für bunten Worten du deine Erlebnisse wiedergibst, welche Details dir auffallen trotz des Laufens so „nebenbei“!!!
    Am witzigsten finde ich hier die „ich-warte-oben-auf-dich“ Bezeichnung 😂!
    Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung ☺️.
    Liebe Grüße und mach weiter so 👏

  3. Das macht echt Spaß. Danke für den Einblick und das anfixen. Jetzt will ich da auch Walken 💪 Verflixt 🤣. Das ist so weit….. Es macht echt Spaß dir dabei zu folgen. Weiter so 👍

    LG Marco

    1. Vielen Dank, lieber Marco 😀. Das freut mich sehr. Wenn ich in deinen Blog so reingucke, habt in eurer Gegend zum Glück aber auch ganz viele wunderschöne Ecken, die es zu entdecken gibt 😀 ganz viel Spaß weiterhin auf deinen Touren

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